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Aktuelle Wortmeldung

von Karl-Heinz Albers

Wozu?
An dieser Stelle veröffentliche ich in regelmäßigen Abständen Texte zu Themen, mit denen ich mich gerade befasse. Sie sollen zum Nachdenken(und mich zum Formulieren) reizen und eine inhaltliche Auseinandersetzung befördern.
Über Reaktionen und Weiterführungen freue ich mich also.

® Alle Texte und Arbeitsblätter von perspektive-albers.de dürfen mit Quellenhinweis (• Karl-Heinz Albers • Laufbahncoaching • Supervision • www.perspektive-albers.de ) verwendet werden.

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Donnerstag, 2. Februar 2012 - 16:22 Uhr
Sprach-Beherrschung

Wenn Sie die folgenden Wörter zu Ihrem aktiven Wortschatz rechnen und Sie sie einfach „so mal eben“ unbedacht benutzen, dann kann es sein, dass Sie einer vernebelnden Sprache aufsitzen. Durch permanent wiederholtes Bombardement mit diesen Schlagwörtern wird/wurde ihr Gebrauch langsam „selbstverständlich“ und doch wird durch sie mehr verschleiert als offen benannt:
Agenda 2010 – Lohnnebenkosten – Flexibilisierung des Arbeitsmarkts – Deregulierung – Gesundheitsprämie – Personal-Service-Agentur – sozial Schwache – Umbau des Sozialstaats – das Land fit machen für die Zukunft – Eigeninitiative – Eigenverantwortung – sozial ist, was Arbeit schafft – Brückentechnologie – systemrelevant – internationale Wettbewerbsfähigkeit – Wachstumsbeschleunigungsgesetz - betriebliche Bündnisse – Shareholder Value – Überalterung der Gesellschaft – Modernisierung – zurückhaltende Lohnpolitik – alternativlos – zwingend notwendig ......

Genaueres unter: http://www.nachdenkseiten.de/?p=11060
Oder auch http://www.unwortdesjahres.net...p?id=startseite

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Mittwoch, 25. Januar 2012 - 12:14 Uhr
Orientierungskompetenz in der Wissensgesellschaft – Fehlanzeige!

Selbstverständliche Bildungseinsparungen der sog. "lernenden Gesellschaft"

Was ist eigentlich aus den von Oskar Negt bereits in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts für die Bildung geforderten „alternativen“, „gesellschaftlichen Schlüsselqualifikationen“ , den sog. „Orientierungskompetenzen“ geworden?
Übergeordnet sollte die „ Orientierungskompetenz die Menschen zur Verarbeitung von Informationen in Zusammenhängen befähigen.“ Negts Frage lautet schon damals (1997) interessanterweise: „Was müssen Menschen wissen, damit sie die heutige Krisensituation begreifen und ihre Lebensbedingungen in solidarischer Kooperation mit anderen verbessern können“?..oder "Über welche spezifischen Kompetenzen des gegenwärtigen Lernens ... müssen Menschen verfügen, damit sie den Problemen einer hochindustrialisierten Zivilisation und der Erosionskrise gewachsen sind?“
Solche Kompetenzen wären nach seiner Ansicht:
Identitätskompetenz:
zum Umgang mit bedrohter und gebrochener Identität,
Ökologische Kompetenz:
zum pfleglichen Umgang mit Menschen, Natur und Dingen,
Technologische Kompetenz:
um gesellschaftliche Wirkung von Technik zu begreifen,
Ökonomische Kompetenz:
um wirtschaftliche Zusammenhänge des Gemeinwesens zu verstehen ohne Reduktion der Ökonomie auf Betriebswirtschaft,
Gerechtigkeitskompetenz:
Sensibilität für Diskriminierung, für Recht und Unrecht, für Gleichheit und Gerechtigkeit,
Historische Kompetenz:
Erinnerungs- und Utopiefähigkeit, Umgang mit Zeit.

Haben sie nach dieser langen Zeit in die Bildungsreformen Eingang gefunden? Verfügt wenigsten die Führungseltite darüber? - Der allgemeine Begriff der Schlüsselqualifikationen von Dieter Mertens erlebte zwar seinen europaweiten Siegeszug, doch vom Negtschen Sinn ist darin wenig wieder zu finden. Ich sehe hier keine Entwicklung, nirgendwo!
Die moderne Bildungsdebatte, die Nachhaltigkeit und Lebenslänglichkeit allzeit und allerorts auf den Lippen führt, hat dazu kaum einen Beitrag geleistet. Ich wüsste nicht, wo in breiter Linie oder in den Fachdisziplinen der Geist der obigen „Orientierungskompetenzen“ aufgegriffen worden wäre und zu mehr Kompetenz und Bewusstsein geführt hätte. Im Gegenteil, die diesbezügliche Unwissenheit und Ignoranz gepaart mit höchstens schönsprecherischen Lippenbekenntnissen springen mir ins Auge.

Die allgemein ungedrosselte Nachfrage nach Lebensberatungsliteratur und Coaching-Dienstleistungen bestätigt diesen Stillstand und verbreiteten Orientierungsmangel in der vermeintlichen „Wissensgesellschaft“.

Fortsetzung: http://www.readers-edition.de/...93-fehlanzeige/

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Dienstag, 17. Januar 2012 - 10:47 Uhr
Die Spuren der Kindheit -

Verlorene Lebenszeit und schwere Bürde für die Demokratie

Besser, ich zeige meine Gefühle nicht.
Besser, ich halte meinen Mund.
Besser, ich versuche immer alles richtig zu machen.
Besser, ich verhalte mich nicht so, wie ich wirklich bin.
Besser, ich passe mich an.
Besser, ich funktioniere, wie man es von mir erwartet.

Aus einem Buch von Ursula Nuber, mit dem leider angepasst-verkaufsfördernden Titel: „Lass die Kindheit hinter dir.“

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Dienstag, 10. Januar 2012 - 11:52 Uhr
Die Psychologie, die Dankbarkeit und der Optimismus

Die Psychologen befassen sich mit dem Leid und der seelischen Not der Menschen. In einer Zeit, in der die Verunsicherung und Unzufriedenheit weltweit zunimmt, in der viele sich ansatzweise organisieren und endlich „zusammenrotten“ müssten, kommt uns diese Zunft – und ihre popularisierenden Medien - vermehrt mit Fragestellungen und Ergebnissen zu Themen wie Achtsamkeit, Hochsensibilität, Gelassenheit, Dankbarkeit, Glücklichsein und Optimismus. „Koryphäen“ wie Eckart von Hirschhausen sind gefragte Vortragende. Das kann doch alles kein Zufall sein!
Es ist eine Zeit, in der das Geldkapital wieder optimistisch nach lukrativeren Finanzanlagen sucht und weltweit fortgesetzt Warenschund produziert und weltumspannend exportiert wird, um den eigenen Wohlstand unendlich wachsen zu lassen. Es ist eine Zeit, in der Bedenkenträger , also Nachdenkliche, und Zögernde als Blockierer des Aufschwungs tituliert, d.h. verunglimpft werden.
Wenn ich mich in diesem Augenblick auf diese (es gibt auch andere) Psychologenerkenntnisse einlasse, warum sollte ich dann, wie könnte ich dann empört sein? Warum sollte ich öffentlich für etwas eintreten, wo die Lösung doch sowieso in der ernsthafteren „Arbeit an mir selbst“ zu liegen scheint!?
Die Frage der Positiven Psychologie(P. Seligman), was den Menschen gesund und nicht krank mache, ist hilfreich und dennoch einseitig. Weiterhin solle ich mich sensibilisieren dafür, dass ich gut zu essen habe und für andere alltägliche Dinge dankbar sein, da sie nicht selbstverständlich seien. Das stimmt auch und dennoch verschließt dieser Ansatz radikal den Zugang gerade zu dem Übel, warum so viele Menschen zu wenig zu essen haben.
Das ist moralisch nicht korrekt! - Oder wie lautet die Rechtfertigung?
Positiv denken und Optimismus sollen helfen, mit noch den allerletzten Zumutungen – die häufig Perversitäten sind - einigermaßen gut zurecht zu kommen und in ihnen gar noch das Positive zu erkennen. Das ist – neben dem innewohnenden Zynismus - ein außerordentlich geeignetes Entpolitisierungsprogramm, geschützt durch eine Portion Plausibilität und eine Schuss gesundem Menschenverstand.
Die Positive Psychologie ist die Psychologie der Gegenwart - und der näheren Zukunft. Sie - gerade und nur sie - wird gebraucht heute. Ihre therapeutisch-beraterische Anwendung liefert „geheilte Menschen“, die wieder weitermachen können, trotz der schwieriger werdenden Umstände für immer mehr Menschen. Die Kritische Psychologie(Kl. Holzkamp) ist jene der Vergangenheit. Aus der Gewordenheit der gegenwärtig handelnden Menschen zog sie noch einen kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und fragte, wie sich Herrschaftsverhältnisse als Handlungsbehinderungen für den Einzelnen in seinen Lebensbedingungen konkretisieren. Dieser gesellschaftliche Bezug wird gerade in der „optimistischen“ Psychologie obigen Zuschnitts schon im Ansatz ausgeblendet. In ihren populären Ratgeberbüchern – aber das reicht, obzwar versteckter, bis hinein in die gängige, „seriöse“ ressourcen- und lösungsfixierte Systemische Therapie und die gierige Coaching-Szene natürlich - werde ich daher eher mit Weisheiten folgender Art konfrontiert: Reiche sind auch nicht automatisch glücklicher, Neid und Ungerechtigkeitsgefühle zermürben einen nur selbst, sorglose Ausgeglichenheit hilft der Gesundheit, Optimisten sind erfolgreicher und Pessimisten haben selber schuld, dass es ihnen schlecht geht, es sollte Friede mit der Vergangenheit geschlossen werden, wir sollten nach vorn und nach Lösungen Ausschau halten usw. usf..
Da sage mir noch jemand, die Wissenschaft und besonders die moderne Psychologie sei neutral und unabhängig.

Aktuell dazu: Der Spiegel Nr..1/2012: Lebenskunst - Optimismus zwischen Zuversicht und Schönfärberei

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Mittwoch, 4. Januar 2012 - 01:32 Uhr
Auch 2012 gilt wieder: Es geht mutig voran!

denn:
"Nur weil wir die Orientierung verloren haben, heißt das nicht, daß der Kompass kaputt ist."
(Anthony Hopkins)

Nur, wo ist er bloß?

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