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Nichts als Dienstleister und Kunden?

Die im betriebswirtschaftlichen Sog sich heimlich mehr und mehr durchsetzende, undifferenzierte Benennung von uns Bürgern allgemein als „Kunden“ vernebelt eher den besonderen Charakter der unterschiedlichen Rollen, als dass sie klärt. Dieser modische Bezeichnungswechsel bewirkt eine Engführung der Gedanken: der Mensch soll vorrangig als zahlender Homo Oeconomicus betrachtet werden. Das hat verheerende Auswirkungen: im professionellen Bereich werden dadurch fachspezifische Perspektiven ausgeblendet(ja sogar undenkbar) und ein neues, allgemeines Geld-Paradigma den einzelnen Fach-Zugängen übergestülpt. Aus Gästen werden Kunden, aus Besuchern werden Kunden, aus Patientenn usw. usf.
Viele Rollen, in denen Menschen sich begegnen, können Hilfe- und Begegnungsformen sein, die sich in ihrem Charakter und Freiheitsgrad unterscheiden. Der differierende Freiheitsgrad – ehedem schon in der Bezeichnung angedeutet - entscheidet über die Art der Hilfe, des Kontakts und der Beziehung. Diese Unterschiede sollten in der Bezeichnung erhalten bleiben, um Differenzen überhaupt wahrnehmen zu können. Denn gehen uns die Worte verloren, so reduziert sich auch die Sicht.