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Der Weg der sog. Leistungsträger und der Unmotivierten

Wenn viele kleine Schmiede an ihrem Leben basteln

Im erzliberalen, marktradikalen Denken ist jeder Mensch „eigenverantwortlich“ und „seines Glückes Schmied“. Eine Solidarisierung mit „Leistungs-Schwächeren“ ist jenseits dieses Horizonts. Christof Butterwegge stellt in diesem Sinne fest:„Denn die Armut erscheint teilweise sogar davon unmittelbar Betroffenen nicht als gesellschaftliches Problem, das nur politisch erfolgreich bekämpft werden kann, sondern als selbst verschuldetes Schicksal, das eine gerechte Strafe für Faulheit oder die Unfähigkeit darstellt, sich bzw. seine Arbeitskraft auf dem Markt mit ausreichendem Erlös zu verkaufen, wie der Reichtum umgekehrt als mehr oder weniger angemessene Belohnung für eine überdurchschnittliche Leistung betrachtet wird.“*

Konkurrenzfähigkeit, das "Bestehen im Wettbewerb", wie es so neutral heißt, der Kampf um die knappen Arbeitsmöglichkeiten bspw., die „Durchsetzungsfähigkeit auf dem Markt“(auch dem Heiratsmarkt) und das Vorankommen im Betrieb werden zum Dreh- und Angelpunkt individueller Lebensgestaltung und Sorge. Sie sind Fixsterne erstrebenswerter und ersehnter Selbstverwirklichung – und die Gesellschaft honoriert´s.
Wer „vorankommt“, „sich behauptet“, „sich gut verkauft“, kann sich zu den Erfolgreichen zählen und von den „Besiegten“ abheben. Die zurückbleibenden Anderen hätten ja ihre Chance besser nutzen können. - Wo gehobelt wird, fallen halt Späne:
„Die Betonung des ökonomischen Nutzenkalküls sieht nicht nur von mitmenschlichen Verpflichtungen ab, sie grenzt auch all jene aus, die uns tatsächlich oder vermeintlich nur zur Last fallen.“ (G. Schäfer*)

*Christoph Butterwegge,Kritik des Neoliberalismus 2008
Gert Schäfer, Ausländerfeindliche Topoi offizieller Politik.....1993.