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Krank sein und werden im unhinterfragten Arbeits-Prozess – und auch sonst

Der Weg zwischen guter und schlechter Einfügung – grundsätzliche Überlegungen

Funktionieren - - - - - - - - - - -------------- - - „gut“ angepasst
- Den nicht hinterfragten Prozess nicht unterbrechen, sondern ihn stützen.
Nicht-Funktionieren - - - - - - - - - - - - - - - „schlecht“ angepasst
- Psychisch oder körperlich beeinträchtigt sein
- Langsam(er) sein
- Abweichende Meinung und Gewohnheiten, andere, „fremde“ Kultur
- Eigensinn

In der effizienz-fixierten Ziel-Prozess-Logik muss der "Produktionsprozess" fließen und ununterbrochen laufen, damit er zu (s)einem Ziel, zum anvisierten Ergebnis führt.
Wer (oder was) das Prozessergebnis durch sein „Nichtfunktionieren“ infrage stellt, „wehrt sich“ („Es“ sträubt sich) gegen die – angeblichen – Erfordernisse des Prozesses. Oder diese „versagenden“ Personen stimmen nicht mit dem vorgegebenen Ziel überein (zu dem dieser Prozess führen soll).
Nicht-Funktionieren stört.
In der Funktionslogik muss „der Störfaktor“ beseitigt, ausgeschlossen, abgesondert, isoliert und korrigiert werden (task-forces werden beauftragt), um der Zielvorgabe treu bleiben zu können. (Der „Fehler“, die Abweichung kann nicht integriert werden, sondern gehört beseitigt !) Der Störfaktor wird also dem Produkt (der anvisierten Leistung) geopfert.
Er bleibt auf der Strecke.

Menschen, deren Leistung absinkt, die „krank“ werden, werden unter diesem systemischen Blick eigentlich als Störung und Störer gesehen und auch so behandelt.
Solange, wie Ziel-, Produkt-, Leistungs- und Erfolgsorientierung und auch die „Kunden-orientierung“ ( alles letztlich ökonomische Kategorien) in einer Organisation - und der Gesellschaft - favorisiert werden (warum eigentlich z. Zt. so penetrant?), solange werden zur sozialen Beruhigung spezifische Kompensations-Veranstaltungen wie Rehabilitation, Integrationsdienste oder auch neuerdings vermehrt die „Prävention“ benötigt. Auch sie dient letztlich - trotz ihrer zugewandten und vorsorgenden Blickrichtung - zur Verhinderung von und Absicherung gegen eine eigentlich als widerlich empfundene „Fehler- und Störfallentwicklung“. Bei zu geringem „commitment“ oder der Unwirksamkeit der präventiven Interventionen und Vorgaben (Verhaltensregeln) drohen Sanktionen und Ausschluss. („Wir müssen uns leider trennen“)
Ihr treibender Sinngeber fungiert der haushaltende, präventive „Sicherheitsstaat“.
Diese „an sich“ guten, „lindernden Maßnahmen“ funktionalisieren objektiv, sind aber subjektiv meist gut gemeint. Sie dienen dennoch durch ihr „Wieder-fit-machen“, dem bemühten Re-Aktivieren, dem Mildern und Erträglicher-machen zur Fortsetzung des krankmachenden Prozesses, also letztlich dem Schneller-schneller-weiter-weiter-Götzen. Somit wird das Leiden (Nichtfunktionieren) an und in der Gesamtentwicklung dauernd von Neuem reproduziert. (Auf diese Weise wird nebenbei der untadeligen „Betrieblichen Gesundheitsförderung“ ein endloses Existieren gesichert. Scheitern kann sie nie, aber bemühen wird sie sich umso mehr, nach dem Motto: „Unsere humanen Aufgaben sind halt unermesslich.“)
Die strukturelle Leid-(Ausschuss-)Produktion läuft – auch deshalb - wie geschmiert weiter.