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Jeder ist sein Schmied – oder so ähnlich

 »Ich bin jung und reich und gebildet; und ich bin unglücklich, neurotisch und allein. Ich stamme aus einer der allerbesten Familien des rechten Zürichseeufers, das man auch die Goldküste nennt. Ich bin bürgerlich erzogen worden und mein ganzes Leben lang brav gewesen. Meine Familie ist ziemlich degeneriert, und ich bin vermutlich auch ziemlich erblich belastet und milieugeschädigt. Natürlich habe ich auch Krebs, was aus dem vorher Gesagten eigentlich selbstverständlich hervorgeht.“

 Aus dem Klappentext des damaligen Buchs (Tb, 1979) „Mars“ des Autoren Fritz Zorn(Pseudonym): -“ das Zeugnis eines Todkranken - übt erbitterte Kritik am falschen Ideal und Lebensstil einer Klasse und erregte weltweites Aufsehen."*

 S.auch https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Zorn

 

Der schweizer Tagesanzeiger fragt nach 30 Jahren „Was ist vom Zorn geblieben?"(2.11.2010)

Man könnte heute - nach weiteren zwanzig Jahren - grundsätzlicher fragen: Was ist von der Thematik überhaupt geblieben?*

Es bleibt leider immer noch die Frage: Gehört Fritz Zorn (die vielen Fritz Zorns) zu den unfähigen „Schmieden“ seines Glückes? Macht er es sich zu leicht, indem er die Schuld für sein „Unglück“ den Verhältnissen anlastete? Denn wie steht es so schön in einem „zeitgeistigen“ Amazonkommentar: „Es ist längst bekannt, dass der Mensch die Welt durch seine Gedanken erschafft, dass er sich die Eltern, das Umfeld etc. selber sucht, um hier in der Welt für sich wichtige Dinge zu lernen.“

 

*- Die Meinung von F. Kasperski im schweizer Rundfunk Srf lautete 2013: „Käme «Mars» heute heraus, das Buch würde auf der ontologischen Resterampe der Postmoderne landen. Und das ist schade. Es ist ein Text, der beschreibt, wie jemand erfriert in einer Eiseskälte aus Wohlstand und Beziehungs-losigkeit." (https://www.srf.ch/kultur/im-fokus/der-archivar/sterben-an-der-schweiz-fritz-zorns-fulminante-tirade-mars )

 - 1977 schilderte Hellmuth Karasek die in dem Roman beschriebenen Verhältnisse mit den Worten: „Alles Kritische wird abgewehrt mit dem Hinweis, daß man dann doch gleich nach Moskau gehen solle. Und alles Lebendige erstickt in dem Imperativ "Ruhig!", mit dem sich in Zürichs feinen Straßen Leute aus den Fenstern beugen, sobald Kinder auch nur Lebensregungen zeigen.“ (http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/40916988 )

 Wie wären sie heute zu beschreiben - die Verhältnisse der sich rasant vermehrenden, aktuellen „ Zürichsees“?