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Vertrauen erhalten und erhalten

das ist eine grundlegende Aufgabe in Beratung und Therapie. Erreichtes Vertrauen schützen und neues gewinnen.
Auf der Basis von Vertrauen ist ein Sich-öffnen erst möglich. Sich öffnen wiederum ermöglicht erst die  – für ein anderes Handeln - notwendige Berührung.
Beratungserfolg basiert also wesentlich auf diesem Grundvertrauen.
Der schmale Pfad/Steg zum Vertrauen ist aber besonders prekär bei Menschen
- die verunsichert sind
- die sich stark durch die vermeintliche Brille der anderen sehen
- die „keine Fehler“ machen dürfen
- die an ihrer Schamgrenze wandeln
- die leicht verletzbar sind
- ……

Also jenseits/beiderseits des schmalen Grades lauern bedrohlich die Fragen
- Mag der (Berater) mich noch?
- Ist der Mensch mir (noch) wohlgesonnen?
- Verurteilt er mich jetzt?
- Werde ich von ihm verstanden?
Auch wenn ich ein Freund des klugen Konfrontierens bin, muss ich ohne zu zögern, diesem Thema Vorrang geben.  All diese zweifelnden Fragen müssen  beruhigt bzw.  „beantwortet“ werden. Sonst wird Misstrauen (beim Hilfesuchenden) gestärkt und alte schmerzliche Wiederholungen greifen um sich. Um diesen schmalen Pfad/Grat breiter und  stabiler werden zu lassen ist die Konfrontation mit Kritik, Zweifel, Forderungen, Ansprüchen, Erwartungen (an den Hilfebedürftigen) nur sehr dosiert und vorsichtig vorzutragen.

Es gilt also für den Berater das Vertrauen zu sichern, zuzusichern, und gleichzeitig die „Dosis Konfrontation“ behutsam aber wiederholt-stetig zu „geben“. So dass Vertrauen und Konfrontation sich nicht ausschließen müssen – das wäre ein wesentlicher Lernschritt. 
Zu frühe und starke, unverstandene Konfrontation lässt den Klienten leicht in den Abgrund stürzen und ihn in das Ich-werde-abgelehnt-und-nicht-verstanden-Loch abtauchen.
Die bereits erreichten Vertrauensstufen für die Schritte aus dem Leid werden dadurch wieder zerstört.