· 

Schule der Konfliktvermeidung?

Für eine Demokratie ist es überlebenswichtig, dass die Mehrzahl der Bürger ein positives Verhältnis zum Konflikt , zum Wettbewerb der Ideen hat. Auseinandersetzung mit den Meinungen und Positionen – was Informiertheit voraussetzt - des anderen ist Demokratentugend und -Pflicht.

Doch wo lernt mensch dieses bejahende Verhältnis zum Konflikt, zur anderen Meinung?

Da fällt mir zuerst die Familie ein, doch sie ist -  bei genauerem Hinsehen -  zuerst Anstalt der Anpassung. Familie und Harmonie, Wärme und Akzeptanz, das fällt mir sofort ein. Familie ist aber andererseits die erfolgreichste Einrichtung zur Unterdrückung von Widerspruch und Abweichung. Eine konstruktive Wertung von Konflikt kann ich mir vor diesem Hintergrund nicht vorstellen. Wenn es sie auch ab und an geben wird.

 

Es ist jedenfalls schwer, einen positiven Platz für Konflikt und Widerspruch zu finden, in einem System mit Erziehungsberechtigung und elterlicher Autorität auf der einen Seite und andererseits hauptsächlich „Untergebenen, Lernenden“.

Können wir da wenigstens auf die Schule hoffen?

Sie könnte den Horizont erweitern, Demokratie einüben und Demokraten schulen – das sollte sie. Aber tut sie es?

Auch diese geschlossene Zwangs-Institution ist schon von der Anlage her dem fremd, was die Tugenden von Demokraten sein sollten. Denn im Grunde ist Kurt Singer (ehem Pädagogik-Prof. an Uni München http://www.prof-kurt-singer.de/ ), zuzustimmen, der schrieb:

„Schüler werden nicht so akzeptiert, wie sie sind, sondern daran gemessen, wie sie sein sollen. Weil ihre Eigenart wenig geachtet wird, lernen sie nicht, eigenständig zu handeln, sondern passen sich an. In der Regel entwickelt kaum jemand Bürgermut durch die Schule, sondern trotz der Schule.“