· 

Falsche Besetzung führt zu allseitigem Stress

Meisterleistung des Bluffs: Im Bewerbungsgespräch um die ersehnte, gut dotierte Stelle ist die „Hochstapelei“ gelungen, In der Einstellungsrunde habe ich die andere Seite sehr beeindrucken  können. Der Job ist im Kasten. Doch nach Monaten - Jahren spätestens - zeigt sich: ich bin den Anforderungen wirklich nicht gewachsen, hatte es mir anders vorgestellt. Es war ein Phyrrhussieg. Jetzt geht es immer wieder darum, dass es bloß niemand außer mir merkt. Das ist Stress.

Oder: der Chef ist fachlich eine Eins; allerdings mit der Zeit stellt sich heraus, mit Mitarbeitern kann er gar nicht umgehen. Er ist arrogant, unsicher, ignorant und unfreundlich. Falsche Besetzung! Doch wer aus der oberen Etage gesteht es sich offen (wann) ein? Bis dahin leiden viele unter der Fehlbesetzung: Überforderung, Vertuschung, schlechtes Betriebsklima und allgemeine Unsicherheit greifen um sich.
Zufriedenstellende, gesunde Arbeit ist hier nicht in Sicht.

Das Zusammenkommen war der Art gestaltet, dass beiden Seiten über die wirklichen Gegebenheiten einen falschen Eindruck bekamen. Jetzt haben sie damit zu tun.
In Einstellungsgesprächen versuchen beide Seiten, ein möglichst gutes Bild von sich zu geben, so dass die andere Seite von dem eigenen Wert überzeugt wird. Das wirkliche Können oder die wirkliche Mitarbeiterfreundlichkeit des Unternehmens zeigt sich erst später. Beide müssen es ausbaden.
Solange es um Marktbeziehungen bei der Mitarbeitersuche geht, braucht es die Funktion von institutionalisierten „Schleusenwärtern“, braucht es eben Einstellungsgespräche, in denen ausgebuffte „Bluffkompetenz“ - besonders bei den „Schwächen“ - einen nicht zu unterschätzenden „Vorteil“ (s.o.) bringen kann.