· 

Werden wir alle depressiv?

Spuren der Leistungsgesellschaft
Die Meldungen in den Medien häufen sich: Acht von zehn Deutschen empfinden ihr Leben als stressig, jeder Dritte steht unter Dauerdruck. Bereits jeder Fünfte leidet unter gesundheitlichen Stressfolgen - von Schlafstörungen bis zum Herzinfarkt. Hauptfaktoren für den Anstieg sind heute der Job und finanzielle Sorgen. (aus einer aktuellen TK Studie) .... Laut WHO soll dieser Trend bis 2020 die depressiven Verstimmungen bereits nach den Herzerkrankungen an die zweite Stelle geschoben haben.

Letzter Stand: FAZ vom 18.  Dez. 2018 : Deutlich mehr Arbeitnehmer leiden unter Stress und Depression

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-arbeitnehmer-leiden-unter-stress-und-depression-15937785.html 

 

Körper und Psyche reagieren also. Sie stellen ihr „normales“ Funktionieren ein und fallen unangenehm auf. Gegenwärtige Arbeits- und Lebensverhältnisse verschaffen der Mehrzahl der Menschen nicht mehr eine angemessene Grundlage für ein „gutes Leben“. Im Gegenteil, sie machen krank.

Lieber Depression als Rebellion
Depression ist häufig eine „normale“ regressive Reaktion auf die überfordernden Zumutungen, denen wir ausgesetzt sind. Allerdings nur, wenn einem die progressive Rebellion nicht mehr in den Sinn kommt und gar neue Ängste schürt.
Wir( ich meine nicht die „vermögend Reichen“) – unser Körper und Seele - sind „traurig“ darüber,
- dass wir immer mehr unseren Zeittakt von außen vorgesetzt bekommen
- dass wir im Wohlstand Angst vor Altersarmut haben „müssen“
- dass unser (Selbst-) Wert über unsere Leistung(svergleich) definiert wird
- dass wir andere ausstechen müssen
- dass wir nie ankommen, sondern dauernd zur Hinterherhetzerei verurteilt sind.

Warum machen wir das? Sind wir denn blöd?
.....Wir, Wir? Die Arbeitslosen, die prekär Beschäftigten, die Manager, Freiberufler, der Gewerbetreibende, die betuchte Hausfrau? Wer ist „wir“? ....

Sucht sucht
Die zweite denkbare, regressive Reaktion der Menschen, die hoch im Kurs steht, ist die Sucht.
Nicht aufhören können, kein gesundes Maß finden, aktivitäts-fixiert sein, mehr und mehr („Stoff“) brauchen, nicht den wirklichen Schaden sehen wollen/können.....
....Können wir vielen einzelnen Süchtigen in süchtigem Milieu – geschaffen durch das süchtige Endlos-System -  von der Abhängigkeit befreit werden? - Nein! Lächerlich naiv ist diese Frage. ....

Mit Vehikel Terminkalender und Handy ins Leben
Wer keinen Terminkalender plus Handy hat, lebt nicht, weil Vieles ohne ihn stattfindet, weil er eben „Wichtiges“ verpasst oder vergisst.
Wer nach Terminkalender „lebt“, der arbeitet nur ab. Der spürt vom (unplanbaren) Leben wenig. Sein Handy sorgt für permanente Erreichbarkeit und damit für weiteres Auffüllen von Tagesaufgaben und Terminen. Ist doch klar, dass das (andere) Leben so zu kurz kommt. Denn im Innersten denken/fühlen diese „Zeitoptimierer“ eigentlich, die Arbeit sei schon das Leben. Obwohl sie nach außen zumeist behaupten, durch mehr Management dem Leben zum Recht verhelfen zu wollen.

Aber ich kenne niemand, dem das auf diese Weise gelungen ist.