· 

Es gibt nichts Gutes, außer… - Au! Au!

Eine weise Voraussicht zeichnete Jurek Becker vor 20 Jahren aus. Heute leiden wir m.E. allgemein unter dem von ihm  befürchteten Schwund.
In Zeiten der Manager-Hofierung - und begleitendem Coaching - wird das Machen favorisiert . Mit zeitaufwendigem Nachdenken und Diskutieren hält man sich nicht mehr auf. (Auch die Aufwertung von  „Kommunikation“ über die elektronischen Medien ändert da nichts; hier wird eher schneller, oberflächlicher Austausch gefördert und zum Normalmodus weiter entwickelt.) Noch besser: nicht ein Problem wird bearbeitet, sondern die Annahme von „Herausforderungen“ wird gepriesen. Es geht um die Lösung bzw. genauer um den Löser, den Problemlöser, diesen gefeierten Zeitgenossen. Die Ursachen von Verknotungen, Fehlentwicklungen und Zuspitzungen erheischen nur noch widerwillig die Aufmerksamkeit.
Jurek Becker 1990:
Wenn ich versuche, Eigenschaften zu nennen, die mich bedrücken, würde ich zuerst sagen: Die Menschen haben keine Lust, sich über die Ursache ihres Handelns klar zu werden. Man tut etwas und denkt nicht darüber nach. Denken gilt als rausgeschmissene Zeit. Denken ist ein Luxus, den man sich nicht leisten zu können glaubt...Ich bin kein Prophet. Ich kann nicht sagen, welche Chance es gegen Denkunlust gibt. Aber wenn diese Unlust lange anhält, entsteht das, was man bei Muskeln Atrophie nennt, Muskelschwund. Die Fähigkeit zum Denken verkümmert. ...