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Unternehmer mit Verantwortung

Die Guten kommen.
Seit einiger Zeit fühlen sich immer mehr Unternehmer und Betriebe aufgerufen, „Verantwortung zu übernehmen“. Speerspitzen sind unter den Freiberuflern die sich selbst so nennenden „Reformer von unten“, die„Social-Entrepeneurs“ (http://germany.ashoka.org/). Das große Kapital sowie das fortgeschrittene Management vernetzt und preist sich unter dem Label „CSR“. (siehe http://www.upj.de/index.php ) Sich

deutsch ausdrücken können sie alle schon lange nicht mehr, weil sie natürlich „international aufgestellt“ sind und die meisten eher Nach- und Mitmacher sind, denn originelle Menschen. (Humorvoll auf den Punkt gebracht, Beispiel SAP http://www.youtube.com/watch?v=9XUiLtvKqns )
Bei beiden Strängen handelt es sich um sehr ambitionierte, engagierte Vorhaben. Man ist „extremly concerned“, will sich angeblich zugleich um die Interessen der Mitarbeiter, Lieferanten, Geschäftspartner, der Umwelt, der Entwicklungsländer und Kunden, eben um die „Stakeholder“ kümmern - ist ja klar! Zur Vertrauensförderung (-Rückgewinnung) entwickelt man umfassende Corporate-Governance-Regeln und Audits (bspw. KPMG). (In einigen Jahren wird jeder Leser wissen, was damit gemeint ist , schätze ich.)....
„Wir Unternehmer müssen uns endlich um die Dinge in der Welt kümmern, die schief gelaufen sind“ - so die feste Überzeugung. Also überschreitet man den ökonomischen Bereich und mischt sich nicht als Bürger, sondern als Unternehmen/r bedenkenlos ein in politisch-soziale Fragen. Die Entrepreneurs, die sozialen Unternehmen, wie auch große Konzerne, fühlen sich politisch und sozial aufgerufen. Sie glauben weiterhin an Expansion (typisch) statt an Reduktion. Sie fühlen sich wieder zur Expansion berufen, anstatt sich in Demut zu üben. (Das Wort kennen sie nicht wirklich).

Mit den Großkonzernen (bspw. Eon) treten auf einmal sehr humankapital-intensive (ihre Sprache) und finanz-potente Akteure im sozialen Bereich auf. Das durchmischt die Landschaft. Die ratlosen, bisherigen traditionellen Spieler wie Staat, Vereine und Sozialverbände sind dem kaum gewachsen. ... Wer (wessen Ideologie) sich bei dieser Begegnung in dem zivilgesellschaftlichen, eigentlich bürgerschaftlichen und politischen Bereich, durchsetzen wird, ist von vornherein klar. Wir werden also zukünftig eine Bildung wie auch Sozialversorgung (Modell Suppenküche) bekommen, in der unternehmerisches Denken und Handeln, (etwa in Gestalt des diskussionsfeindlichen Kostenarguments) selbstverständlich und gängig wird.
... Nachdem die gierigen, maßlosen, skrupellosen Manager und Unternehmensberater in den letzten Jahren über uns gekommen waren, wir uns von den Folgen ihrer Empfehlungen und Geschäfte kaum erholt haben, setzt jetzt diese zweite Welle ein. Jetzt kommen die Guten, die Wieder-Gutmacher. Sie wollen uns helfen und suchen den Kontakt mit den im Sozialbereich Tätigen. Dabei locken sie mit beeindruckender internationaler CSR-Debatte und Wertediskussion sowie weitreichenden Öko-Sozial-Modellen. Ihr Programm lautet wieder: „Befruchtung“ der außerökonomischen Bereiche durch ihre unternehmerische Macher-Mentalität. Das ist ihr Feld. Dabei verstehen Sie von der Sache selbst zu meist kaum etwas (Bildung, Erziehung, Gesundung, Ökologie, Soziales usw.).
Ich glaube nicht daran, nicht an die Dauerhaftigkeit (sorry: Nachhaltigkeit) und allgemeine Wohlfahrtszunahme durch ihren Ausflug in die Gesellschaft - im Gegenteil. Wenn es sich nicht mehr rechnet, werden auch sie wieder aus diesem Zivilbereich verschwinden. Sie kehren dann – wettbewerbsgetrieben - zurück zu ihrem „Kernbereich“. Der Staat darf wieder übernehmen. Sie werden sich dort ausbreiten, wo das, bzw. solange mehr Geld zu verdienen ist. Das sollte man ihnen dann auch nicht übel nehmen, denn Unternehmen, die kein Geld verdienen, sind bald keine mehr.