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Coaching oder Supervision

Entsprechend moderner, systemischer Sichtweise - in der alles mit allem zusammen hänge - wird überall und immer mehr integriert und verschmolzen. „Alles“ wird zusammen geführt, alles soll überall gelten. Hier wieder auseinander dividieren zu wollen, erscheint da als Frevel. Bei diesem „Differenzierungsverbot“ geht allerdings häufig das je Besondere verloren. Um etwas gegen diesen Verlust zu setzen, trete ich hier für die Unterscheidung und das Nebeneinanderbestehen von Coaching und Supervision ein - auch wenn ich weiß, dass die reale „Verw(m)ischungstendenz“ nicht aufzuhalten ist und die weniger selbstbewusste Supervision weiter dem Coaching hinterherlaufen wird. (Ihre Ähnlichkeiten lasse ich jetzt unbetrachtet.)
Folgende, wesentliche Differenz und Unterschiedlichkeit sollte gewusst und bewahrt werden.
Aus meiner Sicht liegen die zentralen Unterschiede schon im Ansatz der beiden Beratungsformen.
Coaching ist in jedem Fall auf Zielsetzung und -Realisierung aus.
Supervision will eher einen Prozess in Gang setzen und begleiten.
Das erste ist auf einen Punkt, ein Ergebnis, einen Zeitpunkt konzentriert.
Das zweite auf den Prozess, den Weg.
Das sind zwei fundamental konträre Blickwinkel und erfordern auch unterschiedliche Interventionen.
Beim Coaching besteht die Gefahr, dass dem Prozess zu wenig Luft gelassen wird. Damit wird die Voraussetzung für Zielerreichung häufig auch gleich mit stranguliert.
Bei der Supervision führt eine Verliebtheit in die Entwicklung leicht dazu, dass der Prozess dauert und dauert und Ziele und Ergebnisse aus dem Auge schwinden, bzw. gar nicht anvisiert werden.
Das Coaching wird in der freien Wirtschaft praktiziert und hat daher grundsätzlich keine Zeit, denn es braucht zeitige Ergebnisse, damit es sich auch rechnet.
Supervision entstand aus der Sozialarbeit, da ist man an der unvorhersehbaren Entwicklung von Menschen interessiert und man lehnt instinktiv die wirtschaftlichen, ja betriebswirtschaftlichen Diktate der Zahlen ab, da sie die Prozessarbeit stören.