· 

Die modische Beschwichtigungsphrase

Sie ist eine Melange aus „Lass mich bitte in Ruhe“, einem beschwichtigenden »Mach dir keine Sorgen, mach dir keinen Kopp!« und einem vorsorglichen »Keine Angst, ich tu dir nichts!« (W. Droste)

„Alles gut!“, „Alles gut!“
warum ist jetzt „Alles gut?“
Immer, immer „Alles gut!“,
bis das Hirn im Hintern ruht, 

sagen alle: „Alles gut!“
Nicht nur manches, „Alles gut!“
Manches aber ist „empörend!“
oder „schlimm!“, das wirkt sehr störend.
Dann ist nicht mehr „Alles gut!“
Und schnell packt sie zu, die Wut.
Gibt es irgendeinen Zwist,
ist es gut, wenn „Alles gut!“ ist.
„Alles gut!“ ist nämlich Pflicht.
Ohne „Alles gut!“ geht's nicht.
Und so sprach selbst Hamsuns Knut:
„Adolf Hitler? – Alles gut!“
Alle, sogar Karlmays „Schut“
sagen ständig: „Alles gut!“
Und sie lehren ihre Brut,
zu erklären: „Alles gut!“
Sagt dir jemand: „Alles gut!“
Mensch, sei besser auf der Hut.
Und dem „Alles gut!“-Getute
wünsche freundlich „Alles Gute!“
„Alles gut!“? – Das wird gut teuer.
Die Rhetorik-Müllabfuhr
kutscht das „Alles Gut!“ retour.
„Alles Gut!“ ist nichts als Leergut.
Ab dafür und: Danke, sehr gut!
Wiglaf Droste (vor einigen Wochen gestorben)