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Klarheit oder Wahrheit

Der kleine Unterschied - Zwei Aspekte in beraterischer Tätigkeit

Die Sehn-Sucht nach Klarheit ist eine logische Erscheinung
in einer Welt der vielen Optionen und des Entscheidungsdrucks(Zeitdruck). Es ist eine Welt der Tat und sie kann nicht warten. Eine eher pragmatische „Klärung“ soll als Antwort die ängstigende Irritation und Orientierungslosigkeit schnell beenden. Eindeutigkeit ist gefragt.
Ideale Klärungshelfer in diesem Sinne sind „Methoden“. Oder, genauer gesagt, (professionelle) Personen, Coaches, Trainer, Mediatoren etc., die jene in ihren viel versprechenden „Zauberkoffern“ haben. (Selbstredend mit Abkürzungen und englischen Wörtern „gelabelt“)
Was willst du? Wie kommst du zur Entscheidung. Was sind deine Ziele? Diese und andere sind die hier vorangetriebenen Fragen. Nach ihrer Beantwortung ist die Desorientiertheit behoben und mensch kann wieder froh leben und funktionieren…...

Anders ist es mit der Wahrheit,
besonders der subjektiven Wahrheit. Diese aus dem Versteck zu holen, sie zu fördern und zuzulassen, ihr einen herrschaftsfreien Raum zu gewähren, darin liegt die heilende, wie Perspektiven öffnende Wirkung von (Prozess-) Beratung,  und Therapie natürlich.
Die subjektive Wahrheit kann auch lauten „Ich weiß es noch nicht“, „Ich kann mich nicht entscheiden“, „Ich will aber beides“, „Meine Wahrheit ist unangenehm und sperrig“. Diese eigentliche „Unklarheit“ ist dann die Klarheit der subjektiven Wahrheit. Sie wird also nicht unbedingt gern gesehen sein. Aber sie ist ja vorhanden und wird irgendwann nicht mehr ignorierbar sein.
„Klärungshilfe“ in diese Richtung muss den verborgemem Sinn dieser scheinbar sperrigen Wahrheiten erkennen, sie ermutigen, sie erstens „zu Wort kommen lassen“ und zweitens zum Zug. Das Selbstbewusstsein wächst auf diese Weise. Die eigene Wahrheit muss evtl. "erstmals“ ans Licht der Welt sich trauen, dann gestärkt werden, um sich erst dann dem Gegenwind auszusetzen - damit sie „groß“ wird und dann später belastbare Klarheit wie Orientierung bringt. Ganz von allein dann. Also Introspektion vor Präsentation und folgender mutiger Konfliktbereitschaft, so lautet hier die Devise.
Ich schlage mich lieber auf diese zweite Seite, auf diesen Weg der  „Klarheit durch die subjektive Wahrheit“. Sie widersetzt sich der vorschnellen Funktionalisierung und sichert besser demokratische Ansprüche, wie auch die persönliche Motivation. Diese Wahrheit sollte nicht unterdrückt werden.