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Über Spielerei zur Humanisierung

Eine erste, unvorsichtige Annäherung

Spiel wirkt als Gegenpol zu „fest“.
S lockert zu Festes, S bringt wieder Bewegung in Festgefahrenes. Daher ist S der Beweglichkeit, ja dem Lebendigsein näher als alles Feste, Starre, Festgelegte, Geplante, Schematische usw.
S braucht und schafft Un-Eindeutigkeit und Offenheit.

Humor und Spiel vertragen sich gut. Humor lebt vom Spiel, er kommt mit lockerer "Spieleinstellung" daher. Häufig ist er in der menschlichen Kommunikation eine wichtige Ausdrucksform von S und erleichtert den Kontakt - oder auch nicht. 
S und Humor sind nachgiebig, hassen Exaktheit , sind fehlerfreundlich und daher human.

Spiel wirkt als Gegenpol zu "ernst".
S erlaubt Versuch und Irrtum, nimmt sich Zeit dafür. Hat seinen Sinn darin. S ist Feind der vielen von aussen kommenden Zeitvorgaben. S hat seine Eigenzeit („Spielzeit“).
S löst verbiesterten Ernst auf, zersetzt ihn, relativiert und eröffnet dadurch also neue Perspektiven.
Spiel-Regeln allerdings werden sehr ernst genommen – da gibt es keinen Spaß  – denn nur dann und in ihrem Schutz kann der Unernst „Spiel“ sich entfalten.

Spiel ist Versuchslabor
S öffnet – und braucht  - den Freiraum für Ausprobieren, Laborieren, Modelllernen. S ist ein Angebot zum Erkunden und Experimentieren. S befreit, es verflüssigt alte Regeln, Verbote Gewohnheiten und Tabus. Egal, ob mit Dingen oder Wesen gespielt wird.
Über S kann ohne Gefahr und (ernste) Konsequenzen gelernt und gewagt werden. Spiel-Raum eignet sich gut für üben, nachstellen, nachbereiten, vorbereiten. Spiel-Raum ist eben nicht Ernst-Raum.

In der Literatur (nach Roger Caillois) scheint mir folgende Grobgliederung – differenziert nach unterscheidbaren Antrieben und „Zielen“- erhellend zu sein, falls eine tiefere Betrachtung der „Spiele“ erfolgen soll:
1:agon : Wettkampf, Wettbewerb, sich messen
2. alea  Chance, Zufall, Risiko,Schicksal
3 mimikry: Verkleidung, Verstellung, Bluff, 
4. ilinx: Rauschzustand, Rekordsuche, Risikosport