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Dominanz, Unterwerfung und Täuschung

Das fatale Dreiergespann - aus den Kommunikationstiefen von Arbeits- und Liebesleben

Drei sehr unterschiedliche Formen, um den Kontakt zu vermeiden und um sich zu verstecken.
Drei Formen, um einer Auseinandersetzung und wirklichen Begegnung auszuweichen.
Auf der Strecke bleiben Authentizität, Wahrhaftigkeit, Vertrauen und Mut.
Was sich nicht einstellt, ist befriedigender Kontakt.
Dieses Dreiergespann ist - im Arbeitsleben -  nach meiner Erfahrung vermehrt bei emanzipierten Frauen „mit Führungsanspruch“ anzutreffen. Da wird problemlos nur die eine Form gewählt oder es wird zwischen allen dreien changiert.

A) Mir kann nichts passieren: Dominanz,
Motto:  „Ich weiß Bescheid“
Bin ich in der Durchsetzung, in der Aktion oder im klaren Anweisung-Geben, eben im  Bestimmen über andere, dann wird jeglicher Zweifel an mir, bei mir selbst und Zweifel an mir bei den anderen schon von vornherein ins Unrecht gesetzt.
Würde ich Zweifel, Widerspruch, Schwächen, Irritation (nach) außen zulassen, so müsste ich auch meine eigene „zweite Seite“ mit in den wirklichen Dialog einbringen. Das überfordert mich, verlangt zu viel Risiko. Meine Klarheit und Eindeutigkeit wären dann dahin. Ich müsste mehr gelten lassen und mein Bild als potente Person/“Führungsperson“ würde „uneindeutiger“.


B) Mir kann nichts passieren: Unterwerfung/Anpassen
Motto: „Ist mir egal“
In der Unterwürfigkeit und auch der eilfertigen „Flexibilität“ folge ich scheinbar problemlos. „Ja, das können wir so machen.“ Dann brauche ich mich selbst nicht zu befragen. In diesem Modus brauche ich die Mühe meines Widerspruchs, meiner Individualität nicht zu wagen. In meiner ausgeprägten Anpassungsfähigkeit bleibe ich relativ frei von Verantwortung. Hier kann mich niemand festnageln, ich folge ja nur. Ich bleibe offen (eigentlich unengagiert) und verborgen, und lade keine „Schuld“ auf mich.
Diese Form ist natürlich in Führungspositionen nur teilweise einsetzbar, da Verantwortungsabwehr nur bei Teilfragen möglich ist.


C) Mir kann nichts passieren: Rumpelstilzchen als Ausweg
Motto: „Nein, nein - da ist sonst nichts“
Die Leugnung der eigenen Strebungen. Sie braucht allerdings Entlastung. Diese erfolgt z.B., wenn ich mir kompensierend einen für andere uneinsehbaren Hintergrund für „mein anderes Ich“ eingerichtet habe. In diesem weitgehend verborgen gehaltenen Raum kann ich unbemerkt, hinter dem Rücken anderer, unbeobachtet, unkontrolliert, ohne Begründungspflicht – „ungestraft“ – sein, wie ich „wirklich“ bin. Ich gönne mir meine „kleinen Freiheiten“, so nenne ich es. Hier folge ich meinen Impulsen, hier muss ich nicht rechtfertigen (Doppelleben) und es droht keine Verurteilung. Hier zeige ich, mutiger und evtl. anonym, die bisher versteckten, nicht integrierten Teile von mir.
Danach wird dieses „Hintergehen“ wieder beendet und ich gehe wieder in den Vordergrund für das Versteckspiel nach A oder B.
Bei A verstecke ich meinen „schwachen“, bei B meinen „egoistischen“ Teil. Vielleicht lebe ich ansatzweise von beidem etwas in C aus.

Alle drei gehören zusammen und widersprechen sich auch. Je nach Situation und Stimmung stehen mir die drei Modi zur Verfügung. Ich selbst wähle autonom aus, wann auf welcher Bühne gespielt wird. Die anderen müssen dann sehen, wie sie damit zurecht kommen.
So komme ich „unentdeckt“ und allerdings auch ungeliebt durch!
Denn „Liebe“, d.h., wirkliches Interesse an mir, würde sich mit diesem Theater nicht zufrieden geben - (professionelles) „Rollenspiel“ dagegen wohl sehr.