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Wie unpolitisch darf Beratung sein

Wie politisch bewusst muss die Beraterin sein?

 

Die Beraterin arbeitet nicht in einem rechts-, politik- und ökonomie-freien, wie auch nicht in einem geschichtsfreien Raum.
Der Berater und Beraterin müssen also von ihrem Umfeld, dem gesellschaftlichen Rahmen , in dem sie sich bewegen, wissen. Wenn dieses Umfeld - wie derzeit – durch finanzielle Kürzungen, neoliberale Deregulierung und unsolidarische, gesellschaftliche Spaltungen gekennzeichnet ist, dann muss Berater diese Entwicklung/Beeinflussungen in seine Arbeit mit hinein nehmen.
Er „muss“ es, weil die Klienten – genau wie er selbst – von dieser gesellschaftlichen Bewegung  in ihrem Alltag betroffen und beeindruckt sind. In Pandemiezeiten bspw. haben wir es mit kollektiven Ängsten, Spaltungen und ungleicher Belastung zu tun, und auch mit neuen Normen (wie Homeoffice)  und Zwängen(vernünftig gehorchen).  Diesen gesellschaftlichen Tatbeständen gegenüber gilt es, sich zu öffnen und genau hin zuschauen (wie genau wirkt das Außen nach Innen? ) und den leichteren, „unpolitischen Weg“ zu meiden.

Beratung soll helfen, mit dieser wahrgenommenen „gesellschaftlichen Erschwernis“ umzugehen. Sie hilft Individuen (und Gruppen)
- beim klugen Einpassen (Erkennen und Hinnahme von Restriktionen) und auch
- bei dem „Risiko“ des Widerstehens.
Sie thematisiert diese Konfliktlage, ist also gemeinsame Konfliktbearbeitung und Suche von Handlungsalternativen.
Dabei sind Mut und klarer Blick gefragt. Die Beraterin muss Kürzungen als solche zu benennen wagen und nicht „aalglatt“ von nötigen Sparmaßnahmen sprechen, die jetzt, nach der Zeit der Gier, zu erfolgen hätten. Sie muss angewachsene Arbeitsverdichtung als solche kennzeichnen und nicht von neuen Herausforderungen fabulieren. Bei der um sich greifenden Stress- und Erschöpfungs-thematik darf also auch nicht nur mit subjektiven, medizinischen  Bewältigungsstrategien hantiert werden.
„Politisch“ bewusste Beraterinnen, wissen zu unterscheiden zwischen gesellschaftlich strukturellen Vorgaben und individuellem Reagieren-können.
Eine psycho-soziale Beratung, die in diesem Sinne nicht aufklärend, d.h. differenzierend, tätig ist, kann m.E. heute keine wirkliche Hilfe sein. Sie zeichnete dann - in ihrer scheinbaren Politikabstinenz -  nur politisch-ideologische Strömungen(Allgemeinplätze) nach und treibt oft ungewollt die Entfremdung und Fremdbestimmung mit voran. Sie ist dann im weiteren Sinne selbst „Umweltzerstörung“, durch weitere Steigerung  der individuellen Anpassungsanstrengungen.- Emanzipation und Humanismus entarten hier zu modisch blendendem Beiwerk. Und : an der Sprache sind "sie" zu erkennen.