Geschichte von „Perspektive Streitbar“

Das Projekt „Perspektive-Streitbar“ ist aus langjähriger, gemeinsamer Praxis entstanden. Über mehr als 10 Jahre arbeitete ich mit mehreren KollegInnen zusammen, wir waren bei „Perspektive für Berufs- und Lebensgestaltung e.V.“ als Berater und Trainer tätig. Der Verein bietet/bot Coaching und Seminare zur Klärung der Berufs- und Lebensperspektive an.

Neben dem Zukunftsaspekt, der perspektivischen Entwicklung von Berufsweg und Leben, bestätigte die Beratung dort nach meiner Erfahrung immer wieder die Erkenntnis, dass

  1. innere Konflikte, Ambivalenzen und diametrale Strebungen ein entscheidendes Hindernis für ein mutiges Voranschreiten sind. Gelingt es einem also, sich den inneren Widersprüchen mehr zu stellen, so erhöht sich damit auch die ersehnte Entscheidungskompetenz
  2. auf der anderen Seite der Ausgang „äußerer Konflikte“ wesentlich mitbestimmt, wo mensch letztlich landet im Leben. D.h.,die Konfliktbereitschaft und -fähigkeit bestimmt (neben anderem) darüber, ob/wieweit der „Plan“ oder Traum, den Mensch für sich erwählt oder erwünscht hatte, in sein Leben tritt– Der Ausgang der vielen großen und kleinen Konflikte im Leben stellt Weichen, entscheidet auch darüber, ob mensch „daneben“ landet (Was allerdings nicht immer ein Übel sein muss!). D. h., sich mutig und kompetent einzusetzen für den eigenen Weg, für das erkannte eigene Interesse und die subjektive Gewissheit – auch gegen Widerstand - ist m.E. wesentlich für den „Erfolg“.

Menschen, die also ihre Perspektive realistisch klären wollen, sollten eine Streitfreudigkeit in dem Sinne entwickeln, dass sie die Courage aufbringen, sich der häufig unangenehmen Konfrontation mit Widersprüchen und skeptischen Meinungen zu stellen. Sie müssen sich und ihre Zukunftsideen eben für eine Auseinandersetzung öffnen. - vorschnelle - d.h. nicht „erstrittene“ - Friedensbereitschaft im Sinne einer positiven Harmonieidee ist m.E. geradezu „tödlich“. Erarbeitete, gute Kompromisse sind dagegen „belebend“.

 

Diese Erkenntnis bestätigt sich - nachdem der Verein 2014 sich auflöste - auch offen und akut in Arbeitsteams in der Supervision, die mit ihren unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen produktiv umgehen wollen und „müssen“ oder auch im individuellen Laufbahn-Coaching, wo ich die obige doppelte Konfliktfähigkeit stärken möchte. - Eine „Streitbar“ sollte dafür der geeignete Ort sein – auch wenn nur Tee gereicht wurde.

 

In jahrelanger „Zusammenrauferei“ im Verein „Perspektive“ mit den Kollegen (z.T. in Mediation ausgebildet) - die in gelungenen Phasen eine wichtige Auseinandersetzung mit „dem Anderen“ war - blieb uns die Erkenntnis zum Glück nicht erspart, dass eine streitbare, manchmal auch „nervige“ Zusammenarbeit langfristig bereichernder sein kann, als eine ruhige, „harmonische“. Diese Erfahrung würde ich selber gerne weiterhin machen und in meinen Beratungen und Gruppenangeboten auch weitergeben.

 

Also Perspektive(n) ohne - lauten oder leisen - „Streit“ gibt es nicht mehr.

 

Bei Perspektive-Streitbar, soll kritisch und streitbar, aber produktiv und stärkend mit den Zumutungen (!?) der Ökonomie in der Arbeitswelt, der Gesellschaft (z.B. auf dem Arbeitsmarkt) oder durch das „Schicksal“ im Leben umgegangen werden.